Wildbienen Projekt

 

Januar 2018

Anfang Januar bekam ich eine Mail von Barnhouse – ihr wisst schon, die mit den knusprigen Müslisorten – in der 50 Wildbienen-Hoteliers gesucht wurden.
„Wie jetzt – ist das eine Hotelkette für Naturliebhaber und wieso suchen die Hotelinhaber…???“ Beim Weiterlesen wurde es klarer: Schon im letzten Jahr wurden Personen gesucht die bereit waren, einen Kasten für und mit Wildbienen entgegen zu nehmen und sich darum zu kümmern – auch im Winter. Was wiederum bedeutet, und auch das erfuhr ich den Verlinkungen des Rundbriefs folgend, dass man im September die zu Kokons verpuppten Wildbienen aus dem Holzhaus heraus puhlt, säubert und zur Überwinterung in den hauseigenen Kühlschrank verbringt. Erst im März soll dann der Kasten mit den Kokons wieder ins Freie.

Das klingt spannend, dachte ich mir und da ich ja mit Hund, Haushalt, Enten, Garten und Mann noch nicht ausgelastet bin, habe ich kurzerhand ein Wildbienen-Hotel-Kasten mit 40 Kokons bestellt.

Jetzt warte ich auf die Ankunft der 40 neuen Haushaltsmitglieder. Ich halte Euch auf dem Laufenden

 

Februar 2018

Es geht los! Ein dicker, schwerer Karton stand vor meiner Haustür. Darin das nigelnagelneue Wildbienen Hotel. Etwas leichter, um nicht zu sagen bienengewichtig ein kleiner Karton mit 40 Kokons. Schlüpfen sollen daraus 20 Gehörnte- und 20 Rote-Mauerbienen. Der beiliegende Zettel informiert mich, dass ich zunächst prüfen soll ob vielleicht schon ein Bienchen geschlüpft sei – nein, ist nicht passiert – und ich dann soll ich die kleine Schachtel mit den Kokons geöffnet in den Kasten stellen und diesen draussen aufstellen – hab ich gemacht.

Jetzt heißt es warten bis es wärmer wird. Ab März sei mit den ersten Bienen zu rechnen.

        

 

März 2018

Tatsächlich ist gestern eine Biene ausgebrochen! Das ist mir allerdings nur deshalb aufgefallen, weil ich wegen der starken Kälte in den vergangenen Nächten das Kästchen mit den Kokons vorsichtshalber wieder in meinem Kühlschrank deponiert hatte.
So aber kam mir gestern an der Butterdose vorbei ein kleines Bienchen entgegen gekrabbelt. Davon gibt’s kein Foto – die Aufregung war zu gross, dass sie losfliegen und sich in meiner Wohnung verirren könnte. Also Biene eingesammelt ins Kästchen geschubst und raus damit ins Hotel.

 

 

08. März

Es geht weiter – immer mehr Kokons liegen jetzt aufgebissen in der Bienen Unterkunft, allerdings nur die der heller gefärbten Gehörten Mauerbiene. Die Rote Mauerbiene in den dunklen Kokons, soll laut „Bedienungsanleitung“ erst später schlüpfen. Auf dem Bild oben ist gerade ein Bienenmann zu sehen, man erkennt ihn an dem weißen Puschel im Gesicht.

 

24. März

Es hat sich was getan: während die Sonne schien und es im Garten summte und brummte waren unter den Flugobjekten auch meine Mauerbienen. Gleich zwei davon hab ich entdecken können. Eine wärmte sich auf einem Holzbalken, die andere war mit Futtersuche beschäftigt:

Ein warmes Plätzchen in der Sonne

 

Endlich sind die Narzissen aufgegangen, sodass die Bienen Futter finden.

 

Im Kasten selbst sind jetzt nur noch die 20 Kokons der Roten Mauerbiene. Die federleichten aufgebissenen Kokons der Gehörnten Mauerbiene hab ich raus gesammelt und in einem Reagenzglas deponiert.

 

 

26. April

Auch die Rote Mauerbiene ist jetzt komplett geschlüpft und seit zwei Wochen ist der Teufel oder besser gesagt die Biene los! Ich hatte ja Anfangs Sorge, dass die Bienchen die vorgesehene Unterkunft vielleicht überhaupt nicht als solche erkennen. Aber diese Sorge hat sich wohl erledigt. Im Gegenteil – jetzt befürchte ich, dass der Platz nicht für alle vermehrungswilligen Flugtierchen reicht und denke darüber nach, weitere Holzstücke mit Bohrlöchern zu platzieren.

Einige Gänge sind schon komplett verschlossen, in manchen kann man gelben Pollendepots erkennen. Bin gespannt wann ich das Schild „Belegt“ raushängen muss…

 

 

November 2018 – Endlich „ernten“

Über den Frühsommer hinweg herrschte reges Treiben vor dem Hotel. Nachdem im Hochsommer bis auf wenige Ausnahmen die Gänge alle verschlossen waren, trieben sich nur noch wenige Bienen an dem Kasten herum. Jetzt im November war es endlich soweit: Letzten Sonntag ging es ans Ernten der Kokons.

Ich weiß nicht was ich erwartet hatte, aber zumindest nicht so ein farbliches Durcheinander: In den Gängen fanden sich neben den wie in Watte eingepackten Kokons,  kleine „Schokostreusel“, gelbe klebrige Klümpchen, zwei fette rosa Raupen, braun-orangefarbene Fädchen und noch ein paar mehr gelbe kleine Würmchen.

Nach einem Blick auf die Webseite der Alztaler-Imker konnte ich folgende Festellungen machen: die „Schokostreusel“ sind verdaute Blütenpollen – harmlos und normal. Die gelben Klümpchen sind Pollen die nicht aufgefuttert wurden – schade aber auch „normal“. Die fetten rosa Raupen dagegen hätten sich räuberisch durch alle Kokons gefressen und sind (waren) oder hätten Buntkäfer werden sollen. Die kleinen gelben Würmchen sind Larven der Taufliege. Diese bedienen sich am Futtervorrat der Biene, weshalb diese Bienen auffällig klein bleiben und die orangefarbenen Fädchen sind die verdauten Pollen dieser Taufliege.

  

dav

Mit einem Holzstäbchen ließen sich die Kokons aus den Gängen hebeln und in Sicherheit bringen. Die Brettchen muss ich jetzt noch mit Schraubenzieher, Feile und Bunsenbrenner von Erde, Pollen und Milben befreien. Die Kokons habe ich vorsichtig gewaschen, getrockent und im Kühlschrank verstaut. Dort dürfen sie bei mäßig kalter Temperatur den Winter verbringen, ohne von Parasiten befallen oder aufgefressen zu werden.

Jetzt bleibt nichts mehr zu tun, als im Frühjahr die Kokons wieder nach draußen zu bringen, damit der Kreislauf von Neuem beginnen kann.

 

 

2019 Frühjahr

In meinem Garten hängen nun 2 Bienenhäuser und beide werden eifrig angeflogen. Viele Gänge sind schon verschlossen und ich bin schon sehr gespannt auf die „Ernte“ im Herbst.

  

 

2019 Herbst

4 Stunden hat es gedauert die Kokons aus den Blöcken beider Häuser zu lösen. Und wieder hatten sich bereits einige Schädlinge in den Gängen breit gemacht. Die Spatzen waren dankbar für diese unverhoffte Eiweißlieferung…

  

Frisch gewaschen und getrocknet liegen die Kokons jetzt im Schuppen in einem Karton – bereit für die Winterpause.